Nachhaltigkeit im Familienunternehmen: Strategie zwischen Werten und Nachfolge
Nachhaltigkeit im Familienunternehmen heißt, die Werte der Eigentümerfamilie in wesentliche Themen, messbare Ziele und Kennzahlen zu übersetzen, die Kunden, Banken und die nächste Generation nachvollziehen können.
Familienunternehmen denken in Generationen, nicht in Quartalen. Das ist der Kern von Nachhaltigkeit und ihr größter Vorteil.
Was bei Nachhaltigkeit anders ist
| Familienunternehmen | kapitalmarktorientiertes Unternehmen | |
|---|---|---|
| Zeithorizont | Generationen | Geschäftsjahr, Kapitalmarkt |
| Treiber | Werte der Familie, Region, Kunden, Nachfolge | Investoren, Ratings, Berichtspflicht |
| Entscheidung | kurze Wege, Inhaber entscheidet | Gremien, Hauptversammlung |
| Stärke | Glaubwürdigkeit, Beständigkeit, Bindung der Belegschaft | Ressourcen, Fachabteilungen |
| Schwäche | Maßnahmen bleiben informell, wenig Kennzahlen | Gefahr von Kennzahlen ohne Haltung |
| Berichtspflicht | nur nach Größe (CSRD ab 1.000 Beschäftigten und 450 Mio. € Umsatz) | nach Größe; bis 2026 Übergangsregeln für Kapitalmarktunternehmen |
Wann Familienunternehmen eine Nachhaltigkeitsstrategie beginnen
- Nachfolge: Die nächste Generation fragt nach Haltung und Zukunftsfähigkeit, oder die Übergabe soll mit klaren Zielen erfolgen.
- Kunden: Großkunden schicken Fragebögen zu Emissionen und Lieferkette.
- Bank: Kreditgespräche mit ESG-Fragen, Finanzierung von Investitionen.
- Fachkräfte: Bewerbende fragen nach Werten und Arbeitsbedingungen.
- Familie: Gesellschafter wollen das Engagement der Familie sichtbar machen.
Nachhaltigkeitsstrategie mit Familienbezug
Die fünf Strategieschritte, ergänzt um die Familie.
- Status quo inklusive informeller Maßnahmen, die nie dokumentiert wurden. Status-quo-Analyse
- Stakeholder: Die Familie und die Gesellschafter sind eigene Stakeholder neben Belegschaft, Kunden und Bank. Stakeholderanalyse
- Wesentlichkeit: Familienwerte als Ausgangspunkt, bewertet nach Auswirkung und finanzieller Bedeutung. Wesentlichkeitsanalyse
- Ziele: mit Zeithorizont über die Nachfolge hinaus und einer verantwortlichen Person aus Familie oder Geschäftsführung. Handlungsfelder und Ziele
- Verankern: im Gesellschaftervertrag, in der Familienverfassung oder im Beirat, damit die Strategie die Übergabe überdauert.
Nachhaltigkeit bei der Unternehmensnachfolge klären
Berichtspflicht für Familienunternehmen
Aus der Praxis: Nachhaltigkeit bei Nölken
Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie-Beratung · Workshop für Inhaberfamilie und Geschäftsführung · Nachhaltigkeitsberatung in München
Häufige Fragen
Sind Familienunternehmen nachhaltiger?
Sie haben einen längeren Zeithorizont und oft eine starke Bindung an Region und Belegschaft. Ob sie nachhaltiger sind, zeigt sich erst an Zielen und Kennzahlen.
Müssen Familienunternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen?
Nur wenn sie mehr als 1.000 Beschäftigte und mehr als 450 Mio. € Umsatz haben. Freiwillig berichten viele, weil Kunden und Banken Daten verlangen.
Wie bindet man die Familie in die Nachhaltigkeitsstrategie ein?
Als eigene Stakeholdergruppe in der Analyse und durch Verankerung im Gesellschaftervertrag, in der Familienverfassung oder im Beirat.
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Johanna Jung, zertifizierte Nachhaltigkeitsmanagerin (GUTcert)
