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KOMMUNIKATION · RECHTSSTAND 15.10.2026

Greenwashing, Bluewashing, Pinkwashing: Bedeutung, Beispiele und Verbote seit 2026

Greenwashing, Bluewashing und Pinkwashing sind drei Formen, Verantwortung größer darzustellen, als sie ist: für Umwelt, Soziales und gesellschaftliches Engagement.

Johanna Jung · geprüft am 15. Oktober 2026

Definition

Greenwashing

Greenwashing ist der Versuch eines Unternehmens, sich, seine Produkte oder Dienstleistungen umweltfreundlicher darzustellen, als sie sind.

Herkunft. Geprägt in den 1980er Jahren vom Umweltaktivisten Jay Westerveld, als Wortspiel auf „Whitewashing“ (Schönfärberei).

Typisch. „klimaneutral“ dank Kompensation, „umweltfreundlich“ ohne Beleg, grüne Naturbilder.

Definition

Bluewashing

Bluewashing ist die Übertreibung sozialer Verantwortung, meist durch Berufung auf die Vereinten Nationen und ihre Prinzipien, etwa den UN Global Compact.

Herkunft. „Blau“ steht für die Farbe der Vereinten Nationen.

Typisch. UN-Logo oder Global-Compact-Mitgliedschaft im Marketing bei gleichzeitigen Verstößen gegen Arbeits- oder Menschenrechte.

Definition

Pinkwashing

Pinkwashing ist Werbung mit gesellschaftlichem Engagement, das ablenkt: mit Brustkrebsforschung trotz gesundheitsschädlicher Produkte oder mit vorgetäuschter Unterstützung der LGBTQ+-Community.

Herkunft. Zwei Bedeutungen: die rosa Schleife der Brustkrebs-Kampagnen und der Regenbogen der LGBTQ+-Community.

Typisch. Regenbogenlogo nur im Pride-Monat, ohne Antidiskriminierungsrichtlinie im eigenen Unternehmen.

Greenwashing, Bluewashing und Pinkwashing im Vergleich

GreenwashingBluewashingPinkwashing
Vorgetäuscht wirdUmweltleistungsoziale Verantwortung, Menschenrechtegesellschaftliches Engagement (Gesundheit, LGBTQ+)
SymbolfarbeGrün (Natur)Blau (Vereinte Nationen)Rosa (Brustkrebs-Schleife) bzw. Regenbogen
Typische MittelNaturbilder, „öko“, „klimaneutral“, eigene SiegelUN-Logos, Mitgliedschaften, Verhaltenskodizes ohne KontrolleAktionsprodukte, Pride-Kampagnen
Rechtlich geregelt seit 27.09.2026ja, für Umweltaussagen (UWG)über allgemeines Irreführungsverbotüber allgemeines Irreführungsverbot

Beispiele für Greenwashing

Belegte Fälle

JahrFallErgebnis
2024Ein Fruchtgummihersteller warb mit „klimaneutral“; die Neutralität beruhte teilweise auf Kompensation.Der Bundesgerichtshof (Urteil vom 27.06.2024, I ZR 98/23) hielt die Werbung für irreführend, weil der mehrdeutige Begriff nicht in der Werbung selbst erklärt wurde.
2025Die Fondsgesellschaft DWS stellte Fonds als nachhaltiger dar, als die Anlagepraxis war.Die Staatsanwaltschaft Frankfurt verhängte im April 2025 ein Bußgeld von 25 Mio. €.
2020Die EU-Kommission prüfte Umweltaussagen im Markt.53,3 % waren vage, irreführend oder unbegründet; 40 % hatten keinen Beleg.

Fallmuster, die in der Praxis häufig vorkommen

MusterFormBeispiel (verallgemeinert)
Kompensation als NeutralitätGreenwashing„CO₂-neutrales Produkt“ durch Zertifikatekauf, ohne Reduktion
Teil als GanzesGreenwashing„nachhaltige Verpackung“ macht das Produkt zum „nachhaltigen Produkt“
Pflicht als VorteilGreenwashingWerbung mit „frei von“ Stoffen, die ohnehin verboten sind
Eigenes SiegelGreenwashingselbst gestaltetes „Eco-Label“ ohne unabhängige Zertifizierung
Mitgliedschaft als LeistungBluewashing„Wir sind Mitglied im UN Global Compact“ als Verkaufsargument, ohne Fortschrittsbericht
Kodex ohne KontrolleBluewashingLieferantenkodex unterschrieben, aber keine Audits oder Beschwerdeverfahren
Aktion statt HaltungPinkwashingRegenbogen-Logo im Juni, keine Diversity-Richtlinie, Werbung in Ländern mit Verfolgung ausgesetzt
Spende als AblenkungPinkwashingrosa Aktionsprodukt mit Inhaltsstoffen, die im Verdacht stehen, Krebs zu fördern

Was seit 27.09.2026 verboten ist

Stand 15.10.2026 (UWG-Novelle zur Richtlinie (EU) 2024/825, verkündet am 19.02.2026).

AussageVerboten, wennZulässig, wenn
„umweltfreundlich“, „grün“, „öko“, „biologisch abbaubar“ (allgemeine Umweltaussage)keine anerkannte hervorragende Umweltleistung nachweisbarkonkret und belegt, zum Beispiel „Verpackung zu 80 % aus Recyclingkarton“
„klimaneutral“, „CO₂-neutral“ für ein ProduktNeutralität beruht auf Kompensation außerhalb der WertschöpfungsketteReduktion in der eigenen Wertschöpfungskette, belegt und erläutert
eigenes Nachhaltigkeitssiegelkein Zertifizierungssystem und keine staatliche FestsetzungSiegel eines anerkannten Zertifizierungssystems (zum Beispiel EU Ecolabel, Blauer Engel, FSC, PEFC, Nordic Swan)
Teilaspekt als GesamtaussageAussage bezieht sich auf das ganze Produkt oder Unternehmen, Leistung nur auf einen TeilBezug klar benannt
gesetzliche Pflicht als Besonderheitwas gesetzlich vorgeschrieben ist, wird als eigener Vorteil beworbennicht zulässig
Ziel für die Zukunft („klimaneutral bis 2035“)kein klarer, öffentlicher, unabhängig überprüfter UmsetzungsplanPlan liegt vor und wird überprüft

Es gibt keinen Bestandsschutz für gedruckte Verpackungen oder laufende Kampagnen. Die geplante EU-Green-Claims-Richtlinie, die eine Vorabprüfung aller Umweltaussagen vorgesehen hätte, hat die EU-Kommission im Juni 2025 zurückgezogen. Durchgesetzt werden die Verbote über Abmahnungen von Wettbewerbern und Verbänden, Unterlassungsklagen und in schweren Fällen Bußgelder.

Eigene Aussagen prüfen: Prüfliste für Unternehmen

Greenwashing, Bluewashing und Pinkwashing erkennen

Greenwashing erkennen

Nachhaltigkeitsbericht prüfen (konkrete Zahlen, Ziele, externe Prüfung); Lieferkette ansehen (Herkunft der Rohstoffe, Arbeitsbedingungen); Gesamtverhalten beurteilen (ist Nachhaltigkeit im Kerngeschäft oder nur in der Werbung?). Siegel wie Nordic Swan, FSC, PEFC oder Fairtrade helfen, sind aber nicht das einzige Kriterium.

Bluewashing erkennen

Konkrete Maßnahmen hinter dem Anspruch erfragen; prüfen, ob das Unternehmen tatsächlich Fortschrittsberichte an den UN Global Compact übermittelt; auf Widersprüche achten, etwa Berichte über Arbeitsbedingungen bei Lieferanten.

Pinkwashing erkennen

Verhalten über das ganze Jahr ansehen, nicht nur im Pride-Monat; interne Richtlinien prüfen (Antidiskriminierung, Förderung); Taten statt Symbole (Spenden, Engagement, Inklusion auf allen Ebenen).

Weitere Washing-Begriffe

BegriffBedeutung
Social Washingübertriebene Darstellung sozialer Leistungen, zum Beispiel faire Arbeitsbedingungen, ohne Belege; verwandt mit Bluewashing
Rainbow WashingSynonym für Pinkwashing in der LGBTQ+-Bedeutung
Purpose Washingein gesellschaftlicher Unternehmenszweck wird behauptet, ohne das Geschäftsmodell danach auszurichten
Greenwishinggut gemeinte, aber unrealistische Umweltziele ohne Umsetzungsplan
GreenhushingGegenteil: Unternehmen verschweigen echte Fortschritte aus Angst vor Kritik. Mehr zu Greenhushing

Aus der Praxis

Wir prüfen Werbeaussagen auf Produkten und anderen Kommunikationsmitteln, auch eingebunden in Druckfreigaben. Grenzfälle klären wir mit einer Rechtsberatung. Bei Kunden mussten 2026 unter anderem diese Aussagen geändert werden: „klimaneutral“ auf der Verpackung, ein selbst entworfenes Eco-Siegel, „nachhaltiges Produkt“ und „umweltfreundliche Rezeptur“. Greenhushing erleben wir nicht: Die Kunden beschreiben ihr Engagement konkreter und mit Nachweisen.

Johanna Jung berät zu Nachhaltigkeitsstrategie und -kommunikation; im Interview 2019 hat sie auf die Flut an Siegeln und die fehlende rechtliche Absicherung des Begriffs „nachhaltig“ hingewiesen. Johanna Jung, Gründerin der JJ Sustainability GmbH.

Hinweis: Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung. Bei Grenzfällen in der Werbung empfehlen wir eine anwaltliche Prüfung.

Häufige Fragen

Was ist Greenwashing einfach erklärt?

Wenn ein Unternehmen sich oder seine Produkte umweltfreundlicher darstellt, als sie sind.

Was ist Bluewashing?

Die Übertreibung sozialer Verantwortung, meist durch Berufung auf die Vereinten Nationen, etwa den UN Global Compact. Blau steht für die Farbe der UN.

Was bedeutet Pinkwashing?

Werbung mit gesellschaftlichem Engagement, die vom eigentlichen Verhalten ablenkt: entweder mit Brustkrebsforschung trotz gesundheitsschädlicher Produkte oder mit vorgetäuschter Unterstützung der LGBTQ+-Community.

Was ist der Unterschied zwischen Greenwashing und Bluewashing?

Greenwashing täuscht Umweltleistung vor, Bluewashing soziale Verantwortung und Menschenrechte.

Ist Greenwashing strafbar?

Greenwashing ist vor allem wettbewerbswidrig: Es führt zu Abmahnungen und Unterlassungsklagen. Bei weitverbreiteten Verstößen sind Bußgelder möglich; in Einzelfällen wie bei der DWS 2025 kamen Bußgelder hinzu.

Darf ich noch mit „klimaneutral“ werben?

Nicht, wenn die Neutralität auf Kompensation beruht. Beruht sie auf Reduktion in der eigenen Wertschöpfungskette, braucht sie Nachweis und Erläuterung.

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Porträt von Johanna Jung
Johanna Jung

Johanna Jung arbeitet seit 2007 im Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement und berät mit der JJ Sustainability Unternehmen zu Strategie, Bericht und Lieferkette.

  • Strategie
  • Berichterstattung
  • Lieferkette
  • Managementsysteme

Werdegang, Vorträge und Publikationen

Foto: HRSchulz

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