VSME-Standard (VS): der freiwillige EU-Nachhaltigkeitsbericht für KMU
Johanna Jung · geprüft am 15. Oktober 2026
Der VSME ist der freiwillige EU-Standard für Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen, die nicht nach der CSRD berichten müssen. Seit 2026 heißt er VS und gilt als delegierte Verordnung für Unternehmen mit bis zu 1.000 Beschäftigten. Er legt fest, welche Daten berichtspflichtige Kunden von ihnen höchstens verlangen dürfen.
Basismodul
Mindestumfang.
| Nr. | Inhalt | typische Datenquelle im Mittelstand |
|---|---|---|
| B1 | Grundlagen der Erstellung: Unternehmensdaten, gewählte Option, Standorte | Handelsregister, Geschäftsführung |
| B2 | Praktiken, Richtlinien und künftige Initiativen für den Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft | Strategie, Richtlinien |
| B3 | Energie und Treibhausgasemissionen (Scope 1 und 2, Energieverbrauch) | Energierechnungen, Treibhausgasbilanz |
| B4 | Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden (wenn berichtspflichtig nach anderem Recht) | Genehmigungen, Messberichte |
| B5 | Biodiversität (Standorte in oder nahe Schutzgebieten) | Standortdaten |
| B6 | Wasser (Wasserentnahme, Verbrauch) | Wasserrechnungen |
| B7 | Ressourcennutzung, Kreislaufwirtschaft, Abfall | Entsorgernachweise |
| B8 | Belegschaft: allgemeine Merkmale (Anzahl, Vertragsart, Geschlecht, Fluktuation) | Personalstatistik |
| B9 | Belegschaft: Gesundheit und Sicherheit (Unfälle, Todesfälle) | Arbeitsschutz |
| B10 | Belegschaft: Vergütung, Tarifbindung, Weiterbildung | Personal, Lohnbuchhaltung |
| B11 | Verurteilungen und Bußgelder wegen Korruption und Bestechung | Geschäftsführung, Recht |
Die VS-Fassung 2026 hat Datenpunkte an die überarbeiteten ESRS angepasst und leicht reduziert. Kleinstunternehmen (bis 10 Beschäftigte) dürfen einige aufwendige Umweltangaben freiwillig weglassen.
Zusatzmodul
Für Banken, Investoren, Großkunden.
| Nr. | Inhalt |
|---|---|
| C1 | Strategie: Geschäftsmodell und Nachhaltigkeitsinitiativen |
| C2 | Beschreibung von Praktiken, Richtlinien und künftigen Initiativen |
| C3 | Ziele zur Reduktion von Treibhausgasen, Übergangsplan Klima |
| C4 | Klimarisiken |
| C5 | Zusätzliche Merkmale der Belegschaft |
| C6 | Menschenrechte: Richtlinien und Prozesse für die eigene Belegschaft |
| C7 | Schwerwiegende Menschenrechtsvorfälle |
| C8 | Umsätze aus bestimmten Sektoren, Ausschluss aus EU-Referenzwerten |
| C9 | Geschlechterverhältnis im Leitungsorgan |
Option A: Basismodul
Mindestumfang für alle; für Kleinstunternehmen der vorgesehene Weg.
Option B: Basis- und Zusatzmodul
Wenn Banken, Investoren oder Großkunden Angaben zu Strategie, Klimazielen, Klimarisiken oder Menschenrechten erwarten. Das Zusatzmodul kann auch im zweiten Jahr ergänzt werden.
Eine Wesentlichkeitsanalyse schreibt der VS nicht vor; Angaben dürfen daher nicht als „unwesentlich“ entfallen. Sie hilft trotzdem, Ziele (C3) und Strategie (C1) zu begründen. Wesentlichkeitsanalyse durchführen.
Value-Chain-Cap: was Kunden höchstens verlangen dürfen
Praxis: Ein veröffentlichter VS-Bericht ist die Antwort auf die meisten Kundenfragebögen.
So entsteht Ihr VSME-Bericht mit uns
- Option wählen (A oder B) nach Anfragen von Kunden und Bank.
- Status quo und Datenlage je Datenpunkt prüfen. Status-quo-Analyse
- Daten erheben, zuerst B3 (Energie, Emissionen) und B8 bis B10 (Belegschaft). Treibhausgasbilanz für B3
- Texte schreiben für B2 und bei Option B für C1 bis C4.
- Bericht auf der DNK-Plattform erfassen (VSME-Modul, kostenlos) und Plausibilitätsprüfung durchlaufen. Bericht über die DNK-Plattform
- Nutzen: Bericht an Kunden und Bank geben, Fragebögen auf den VS begrenzen.
Typische Datenlücken im Mittelstand
| Datenpunkt | häufige Lücke | Lösung |
|---|---|---|
| B3 Emissionen | nur Energieverbrauch bekannt, keine Emissionen | Emissionsfaktoren anwenden (Umweltbundesamt, Strommix des Versorgers) |
| B7 Abfall | Mengen nur in Containern, nicht in Tonnen | Jahresbilanz beim Entsorger anfordern |
| B10 Weiterbildung | Stunden nicht erfasst | ab sofort erfassen, für das erste Jahr schätzen und kennzeichnen |
| C3 Klimaziele | keine Ziele vorhanden | Ziel im Strategieprozess festlegen |
VS, bisheriger DNK und ESRS im Vergleich
| VS (VSME) | bisheriger DNK-Standard | ESRS | |
|---|---|---|---|
| Rechtsform | delegierte Verordnung, freiwillige Anwendung | freiwilliger deutscher Standard | Pflicht nach CSRD |
| Für wen | bis 1.000 Beschäftigte | alle | ab 1.000 Beschäftigten und 450 Mio. € Umsatz |
| Aufbau | Basis- und Zusatzmodul | 20 Kriterien | themenbezogene Standards nach Wesentlichkeit |
| Wesentlichkeitsanalyse | nicht vorgeschrieben | Kriterium 2 | Pflicht |
| Prüfung | freiwillig | Plausibilitätsprüfung DNK-Büro | Pflicht, begrenzte Sicherheit |
| Status 2026 | gilt | Einreichung bis 30.11.2026 | gilt ab GJ 2027 für neuen Anwendungsbereich |
Berichtsstandards im Vergleich
Häufige Fragen zum VSME
Was ist der VSME?
Der freiwillige EU-Standard für Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen, die nicht nach CSRD berichten müssen; seit 2026 als delegierte Verordnung unter dem Namen VS (Voluntary Standard).
Ist der VSME Pflicht?
Nein. Die Anwendung ist freiwillig. Er begrenzt aber, welche Daten berichtspflichtige Kunden von Unternehmen bis 1.000 Beschäftigte verlangen dürfen.
Was ist der Unterschied zwischen VSME und VS?
VS ist der neue Name der überarbeiteten Fassung, die die EU-Kommission 2026 als delegierte Verordnung erlassen hat. Sie gilt für Unternehmen bis 1.000 statt bis 250 Beschäftigte und hat einige Datenpunkte an die überarbeiteten ESRS angepasst.
Gibt es den VSME auf Deutsch?
Ja, als delegierte Verordnung liegt der VS in allen Amtssprachen vor; die DNK-Plattform bietet das VSME-Modul auf Deutsch.
Was kostet ein VSME-Bericht?
Der Standard und die DNK-Plattform sind kostenlos. Ein VS-Bericht mit Basis- und Zusatzmodul umfasst bei uns je nach Datenlage etwa 40 Beratertage. Der Tagessatz liegt zwischen 1.000 und 1.200 Euro.
Muss ein VSME-Bericht geprüft werden?
Nein. Eine freiwillige Prüfung kann die Glaubwürdigkeit gegenüber Banken erhöhen.
Erstgespräch zu Ihrem VSME-Bericht
In 30 Minuten klären wir Ihren Anlass, Ihren Stand und welche Leistung passt. Kostenlos, per Video oder Telefon. Termine vor Ort finden beim Kunden statt.
Johanna Jung, zertifizierte Nachhaltigkeitsmanagerin (GUTcert)
