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BERICHT · KLIMAKAPITEL

Treibhausgasbilanz im Nachhaltigkeitsbericht: was VSME, ESRS und DNK verlangen

Definition

Eine Treibhausgasbilanz (auch CO₂-Bilanz oder Klimabilanz des Unternehmens) erfasst die Treibhausgasemissionen eines Unternehmens in einem Jahr, umgerechnet in Tonnen CO₂-Äquivalente (t CO₂e). Sie folgt dem Greenhouse Gas Protocol und teilt die Emissionen in Scope 1, 2 und 3. Ohne sie ist kein Bericht nach VS, ESRS oder DNK vollständig.

ScopeWas dazugehörtBeispiele im Mittelstand
Scope 1direkte Emissionen aus eigenen QuellenErdgas und Heizöl für Heizung und Prozesse, Diesel und Benzin im eigenen Fuhrpark, Kältemittelverluste
Scope 2indirekte Emissionen aus eingekaufter EnergieStrom, Fernwärme; berichtet standortbasiert (Strommix) und marktbasiert (Liefervertrag)
Scope 3alle übrigen indirekten Emissionen der Wertschöpfungskette, 15 Kategorieneingekaufte Waren und Rohstoffe (Kat. 1), Transporte (Kat. 4, 9), Abfall (Kat. 5), Dienstreisen (Kat. 6), Pendeln (Kat. 7), Nutzung verkaufter Produkte (Kat. 11)
Drei Felder der Treibhausgasbilanz: vorgelagert, eigenes Unternehmen, nachgelagert VORGELAGERT Scope 3 eingekaufte Waren (Kat. 1) Transporte (Kat. 4) Abfall (Kat. 5) Dienstreisen (Kat. 6) Pendeln (Kat. 7) EIGENES UNTERNEHMEN Scope 1 und 2 Scope 1: Erdgas, Heizöl Fuhrpark, Kältemittel Scope 2: Strom, Fernwärme NACHGELAGERT Scope 3 Transporte (Kat. 9) Nutzung verkaufter Produkte (Kat. 11)

Vorgelagert

Scope 3

  • eingekaufte Waren (Kat. 1)
  • Transporte (Kat. 4)
  • Abfall (Kat. 5)
  • Dienstreisen (Kat. 6)
  • Pendeln (Kat. 7)

Eigenes Unternehmen

Scope 1 und 2

  • Scope 1: Erdgas, Heizöl
  • Fuhrpark, Kältemittel
  • Scope 2: Strom, Fernwärme

Nachgelagert

Scope 3

  • Transporte (Kat. 9)
  • Nutzung verkaufter Produkte (Kat. 11)

Welchen Umfang Ihr Berichtsstandard verlangt

Stand 15.10.2026.

StandardScope 1Scope 2Scope 3Weitere Angaben
VS (VSME), Basismodul B3PflichtPflicht (standortbasiert)freiwilligEnergieverbrauch, Anteil erneuerbar
VS, Zusatzmodul C3Reduktionsziele, bei Bedarf Übergangsplan
ESRS E1 (CSRD)PflichtPflicht (standort- und marktbasiert)Pflicht für wesentliche KategorienZiele, Übergangsplan, Klimarisiken
DNK, bisheriges Kriterium 13PflichtPflichtsoweit wesentlichZiele und Erreichung

Praxis im Mittelstand: Wer Kundenanfragen beantwortet, braucht häufig auch Scope 3 Kategorie 1 (eingekaufte Waren) oder einen Produkt-Fußabdruck, weil Großkunden diese Werte für ihre eigene Scope-3-Bilanz brauchen.

Woher die Daten im Mittelstand kommen

QuelleWo sie liegtFür
Gas-, Heizöl-, FernwärmerechnungenBuchhaltungScope 1, 2
Stromrechnungen und Stromkennzeichnung des VersorgersBuchhaltungScope 2 standort- und marktbasiert
Tankkarten, FahrtenbücherFuhrparkScope 1
Wartungsprotokolle Kälte- und KlimaanlagenHaustechnikScope 1 (Kältemittel)
ReisekostenabrechnungenBuchhaltungScope 3, Kat. 6
Einkaufsvolumen nach WarengruppeEinkauf, ERPScope 3, Kat. 1
EntsorgernachweiseProduktionScope 3, Kat. 5
PendlerbefragungPersonalScope 3, Kat. 7

Emissionsfaktoren: zum Beispiel Umweltbundesamt, Stromkennzeichnung des Versorgers, DEFRA, Datenbanken wie ecoinvent für eingekaufte Waren. Erklärungen und Faktoren für Einsteiger: Scope 1, 2 und 3 auf goclimate.de.

So entsteht die Treibhausgasbilanz für Ihren Bericht

  1. Organisationsgrenzen festlegen: Standorte, Fuhrpark, Tochtergesellschaften.
  2. Daten sammeln nach der Tabelle oben, für ein vollständiges Geschäftsjahr.
  3. Berechnen mit aktuellen Emissionsfaktoren; Scope 3 mindestens für die größten Kategorien.
  4. Plausibilisieren: Vorjahresvergleich, Kennzahl je Beschäftigtem oder je Tonne Produkt.
  5. In den Bericht übernehmen: Tabelle nach Scope, Methode, Faktoren, Ziele (VS C3, ESRS E1).
  6. Ziele ableiten: Reduktionsziel mit Basisjahr. Handlungsfelder und Ziele festlegen

Treibhausgasbilanzen erstellen wir mit einem externen Partner. Der Partner bilanziert Scope 1 bis 3, entwickelt Szenarioanalysen und unterstützt bei der Umsetzung eines Klimatransformationsplans.

Wo die meisten Emissionen liegen

  • Produzierende Unternehmen: Die meisten CO₂-Emissionen liegen in Scope 3, bei eingekauften Waren und Rohstoffen. In der Regel sind das über 90 Prozent.
  • Dienstleister: Scope 3 dominiert ebenfalls, aber über Dienstreisen (Kat. 6), Pendeln (Kat. 7) und eingekaufte Dienstleistungen und IT.

Aus der Praxis: unsere eigene Bilanz

Als Beratungsunternehmen haben wir in unserer DNK-Erklärung für 2018 die Dienstreisen als wesentliche Umweltwirkung festgelegt, also Scope 3, Kategorie 6. Seitdem fliegen wir innerhalb Deutschlands nicht mehr; die reisebedingten CO₂-Emissionen sanken 2018 um 40 % gegenüber dem Vorjahr. Unsere Kennzahlen.

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Häufige Fragen

Was ist eine Treibhausgasbilanz?

Die Erfassung aller Treibhausgasemissionen eines Unternehmens in einem Jahr in Tonnen CO₂-Äquivalenten, gegliedert nach Scope 1, 2 und 3 des Greenhouse Gas Protocol.

Ist eine CO₂-Bilanz für KMU Pflicht?

Gesetzlich nein. Sie ist aber Pflichtbestandteil jedes Berichts nach VS (Scope 1 und 2) und wird von Kunden und Banken immer häufiger verlangt.

Muss Scope 3 im Nachhaltigkeitsbericht stehen?

Nach VS freiwillig, nach ESRS für wesentliche Kategorien Pflicht. Großkunden fragen trotzdem oft nach eingekauften Waren und Transporten.

Was ist der Unterschied zwischen standortbasiert und marktbasiert?

Standortbasiert rechnet mit dem durchschnittlichen Strommix des Netzes, marktbasiert mit dem tatsächlichen Liefervertrag, etwa Ökostrom.

Porträt von Johanna Jung
Johanna Jung

Johanna Jung arbeitet seit 2007 im Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement und berät mit der JJ Sustainability Unternehmen zu Strategie, Bericht und Lieferkette.

  • Strategie
  • Berichterstattung
  • Lieferkette
  • Managementsysteme

Werdegang, Vorträge und Publikationen

Foto: HRSchulz

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