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Nachhaltigkeit in der Kosmetikindustrie

    Nachhaltigkeit in der Kosmetikbranche wird zunehmend als strategischer Erfolgsfaktor betrachtet, mit wachsendem Engagement der Unternehmen.

    Nachhaltigkeit ist heute weit mehr als ein gutes Image oder ein temporärer Marketingtrend – sie ist zum festen Bestandteil wirtschaftlicher Strategien geworden. Der aktuelle IKW-Bericht zur Nachhaltigkeit in der Kosmetikindustrie zeigt: Konsument*innen achten nicht nur auf Wirksamkeit und Qualität, sondern zunehmend auch auf die ökologische und soziale Bilanz der Produkte, die sie täglich verwenden.

    Basierend auf einer Umfrage unter 50 Unternehmen des Kompetenzpartners Schönheitspflege im Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V. (IKW), zeigt der Bericht „Nachhaltigkeit in der Kosmetikindustrie 2024“ deutlich: Nachhaltigkeit ist in der Breite angekommen – und wird zunehmend professionell, datenbasiert und strategisch umgesetzt. Die Umfrage deckt soziale, ökologische und ökonomische Aspekte der Nachhaltigkeit ab.

    Nachhaltigkeit wird zur Führungsaufgabe

    Ein zentrales Ergebnis: Mehr als 70 % der Unternehmen haben einen Nachhaltigkeitsbeauftragten, der oder die für die Entwicklung und Umsetzung entsprechender Maßnahmen verantwortlich ist. Häufig ist diese Stelle an der Geschäftsleitung als Stabsstelle angesiedelt. Das Thema ist damit in der Führungsebene verankert – ein starkes Zeichen für eine langfristige und strukturierte Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit.

    Zudem legen 63 % der Unternehmen einen klaren Unternehmenskodex zur gesellschaftlichen Verantwortung vor. Gegenüber 2022 (50 %) ist das ein deutlicher Fortschritt. Immer mehr Kosmetikfirmen setzen auf verbindliche Werte, die von der Produktentwicklung bis zum Vertrieb durch alle Abteilungen getragen werden.

    Umwelt: Zielsetzungen, Strom aus Sonne und nachhaltige Verpackungen

    Der Umweltbereich zeigt besonders starke Entwicklungen der Nachhaltigkeit in der Kosmetikindustrie. 71 % der befragten Unternehmen haben sich verbindliche ökologische Ziele gesetzt (2022: 49 %) – etwa zur Reduktion von CO₂-Emissionen, zur Förderung von Biodiversität oder zur Verbesserung der Energieeffizienz. Auch beim Strombezug zeigt sich eine deutliche Entwicklung:

    • 88 % der Firmen nutzen inzwischen Ökostrom – ein kontinuierlicher Anstieg seit 2020 (damals 63 %; 2022: 79 %).
    • 56 % verfügen über eigene Solaranlagen, die direkt zur Emissionsminderung beitragen.

    Auch immer mehr Kosmetikunternehmen legen Wert auf transparente Klimabilanzen: 54 % der Firmen erfassen inzwischen ihre Emissionen nach anerkannten Standards wie dem GHG-Protokoll – ein leichter Anstieg gegenüber 2022 (49 %). Das zeigt, dass konkrete Schritte zur CO₂-Reduktion zunehmend systematisch angegangen werden. Gleichzeitig gibt es noch Verbesserungspotenzial – etwa bei Dienstreisen: Nur 45 % der Unternehmen bevorzugen dafür inzwischen die Bahn, während es 2022 noch 64 % waren. Hier deutet sich ein Rückgang klimafreundlicher Mobilität an.

    Verpackungen stehen besonders im Fokus nachhaltiger Innovation. Der Bericht zeigt, dass 86 % der Kosmetikhersteller Maßnahmen zur Verpackungsoptimierung verfolgen. Dazu zählen:

    • Der Einsatz leichterer Verpackungen, um Transportemissionen zu senken,
    • die Verwendung recycelter Materialien wie Kunststoff-Rezyklat und recyceltem Papier / Karton,
    • sowie die Entwicklung wiederverwendbarer oder besser recycelbarer Verpackungslösungen.

    Das Engagement zahlt sich gleich doppelt aus: Es stärkt die Ressourcenschonung und erfüllt zugleich die steigenden Erwartungen von Verbraucher*innen.

    Personalentwicklung: Bildung, Vielfalt und Transparenz

    Auch in der sozialen Dimension zeigt sich ein klarer Aufwärtstrend für die Nachhaltigkeit in der Kosmetikindustrie. 82 % der Unternehmen bieten regelmäßige Schulungen zu Themen wie Antikorruption, Qualitätsmanagement oder ethischer Compliance an. Besonders erfreulich: Mehr als die Hälfte schult ihr Team bereits gezielt zum Thema Nachhaltigkeit – Tendenz steigend.

    Darüber hinaus setzen viele Unternehmen auf eine durchmischte Altersstruktur in ihren Teams. Generationenübergreifende Zusammenarbeit wird gezielt gefördert – ein Erfolgsmodell, das Innovationskraft und Erfahrung kombiniert.

    Lieferketten: Verantwortung über das eigene Werkstor hinaus

    Nachhaltiges Handeln endet nicht an der Werkpforte – das ist vielen Unternehmen zunehmend bewusst. 54 % haben eine offizielle Grundsatzerklärung zur Menschenrecht- und Umweltrechtstrategie in ihrer Lieferkette veröffentlicht – ein starker Zuwachs gegenüber 2022 (+23 %).

    Zudem führen 45 % der Unternehmen systematische Risikoanalysen durch (2022: 34 %), um mögliche Missstände bei Lieferanten frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. Angesichts globaler Lieferketten ist dieser Schritt zentral, um langfristig faire und sichere Produktionsbedingungen zu gewährleisten.

    Herausforderungen und Chancen für die Nachhaltigkeit in der Kosmetikindustrie

    Trotz aller Fortschritte bleiben auch Herausforderungen bestehen. So zeigt sich etwa, dass beim Thema nachhaltige Mobilität noch Luft nach oben ist: Nur 45 % der Unternehmen setzen vorrangig auf Bahnreisen für Dienstreisen – 2022 waren es noch 64 %. Hier könnten digitale Tools und stärkere Reiserichtlinien neue Impulse setzen.

    Ein weiteres Feld mit Potenzial ist die Messbarkeit und Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeit. Zwar nutzen immer mehr Unternehmen anerkannte Standards wie das GHG-Protokoll zur Emissionserfassung – doch es braucht branchenweit noch mehr Transparenz und standardisierte Reportingmechanismen, um Fortschritte auch extern glaubwürdig darzustellen.

    Fazit: Nachhaltigkeit als Weg in die Zukunft

    Nachhaltigkeit ist in der Kosmetikindustrie längst fester Bestandteil unternehmerischer Entscheidungen – nicht nur ein „nice to have“. Die aktuelle IKW-Umfrage zeigt: Immer mehr Unternehmen verfolgen klare Ziele in den Bereichen Umwelt, Soziales und Wirtschaft. Besonders beim Klimaschutz, dem Einsatz erneuerbarer Energien und nachhaltiger Verpackungen sind deutliche Fortschritte sichtbar. Zudem wird Nachhaltigkeit organisatorisch immer besser verankert: Über zwei Drittel der Firmen haben bereits Nachhaltigkeitsbeauftragte, und auch verbindliche Leitlinien zur Unternehmensverantwortung nehmen zu. Gleichzeitig machen die Ergebnisse deutlich, wo noch ungenutztes Potenzial liegt. Die Umfrage dient so nicht nur der Dokumentation von Fortschritten, sondern auch als Grundlage für weitere Verbesserungen und mehr Transparenz in der Branche.


    Quelle:

    IKW-Bericht „Nachhaltigkeit in der Kosmetikindustrie“ https://www.ikw.org/fileadmin/IKW_Dateien/downloads/Schoenheitspflege/20250326_IKW-Bericht_Nachhaltigkeit_Kosmetikindustrie_2025.pdf

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